Tausende Topspins bis zum Profi
Der Weg ins Kadertraining des Tischtennis-Verbandes ist qualvoll / Viele Talente beginnen zu spät

mgeb. - Unaufhörlich drischt der Zwölfjährige auf das Spielgerät ein und im Sekundentakt fliegen die Zelluloidbälle über das Netz. Rund hundert Topspins muss Stephan Metzler ziehen, ehe der Balleimer leer ist, doch sein Trainer, der ihm die Bälle von der Seite des Tisches permanent zuspielt, füllt rasch wieder nach und weiter geht's: "Spannen, strecken, ziehen, aus dem Bauch heraus, mehr Körpereinsatz", fordert immer wieder Arthur Baum (TSV Flörsheim/Dalsheim), Chefcoach des Rheinhessischen Tischtennis-Verbandes (RTTV), während des Verbands-Kadertrainings, das in der Sporthalle der Alzeyer Berufsbildenden Schule mit umfangreichen Lauf- und Dehnübungen begonnen hat.
Mit dem Nachwuchs-Crack des Mombacher TV ist der erfahrene Übungsleiter ebenso zufrieden wie mit Kai Held, seinem gleichaltrigen Vereinskameraden, der anschließend zu Tisch gebeten wird. Beide gelten als große Nachwuchshoffnungen im Verband, ebenso wie die zurzeit 36 weiteren jungen Zelluloid-Artisten. Die etwa acht- bis 25-Jährigen, die zweimal wöchentlich - mittwochs in Alzey, donnerstags in der Gau-Odernheimer Petersberghalle - trainieren, werden auch von vier Trainerassistenten betreut: Li Bing (FSV Mainz 05), Steffen Heck (TSV Gau-Odernheim), Eric Stiene (TuS Sörgenloch) und Stanislav Gorschkow (WTTF Ramstein).

Der klassische Weg ins Verbandstraining führt über die Kader der vier RTTV-Kreise Alzey, Bingen, Mainz und Worms, für die es jährlich zu Saisonbeginn Sichtungslehrgänge gibt. Diesmal, kurz vor den Ferien, sind es etwa 25 Talente, aufgeteilt in zwei Altersgruppen, die bei schwülen 28 Grad mehr oder weniger konzentriert bei der Sache sind, wie Co-Trainer Stiene leicht genervt feststellt. "Das ist doch hier kein Kaffeeklatsch", schimpft der 28-Jährige mit der jüngeren Gruppe, als er den beiden zehn Jahre alten Sina Selzer (TTC Worms) und Ricarda Berz (TuS Sörgenloch) die hohe Kunst der neuen Aufschlagregel näher zu bringen versucht.

Apropos Aufschläge. Die älteren Jahrgänge, die Arthur Baum gerade unter seinen Fittichen hat, feilen bereits an der Technik. "Lange Aufschläge, flache Aufschläge, Trickaufschläge, Ballberührung nur kurz und dann schräg nach vorn. Der Ball muss zweimal aufspringen - fünf Minuten, dann Wechsel", fordert der 52-jährige Trainerfuchs und lässt wissen: Um es weit zu bringen reiche es nicht aus, "nur unheimlich viel Spaß zu haben" und ein- bis zweimal pro Woche regelmäßig den Schläger zu schwingen.

"Tischtennis ist eine hoch koordinative Sportart, bei der man sich auch quälen muss", betont Baum. Nicht alle schafften dies, betont der letztjährige Coach vom Regionalligameister Mainz 05. Auf der anderen Seite gebe es genug Nachwuchsakteure, deren Talent nicht gefördert werde, weil durch das Elternhaus keine Unterstützung erfolgen könne. Der Kreis Mainz, der rund 90 Prozent des RTTV-Kaders stelle, aber ein Hallenproblem habe, löse dies durch vorbildlich organisierte Fahrgemeinschaften, so Baum.

Auch Stiene bedauert, dass viele Talente zu spät mit dem Tischtennissport begännen, denn: "Im Alter von fünf Jahren könnte schon mit Ballgewöhnungsübungen begonnen werden. Doch mit neun oder zehn Jahren kann der Zug bereits abgefahren sein", glaubt der C-Lizenz-Inhaber, wenn man einmal in die Fußstapfen der Großen treten wolle. Von vielen Vereinen wünscht sich der Kreisliga-Akteur bessere Jugendarbeit, die vorzugsweise im Bambini-Alter mit fünf oder sechs Jahren beginnen sollte. Doch daran sei kaum zu denken, werde doch systematisches Training oftmals nicht angeboten, bedauert er. Nach zwei Stunden klingt das Training aus. "Fußball", rufen einige Cracks ihren Übungsleitern flehentlich entgegen. Doch heute ist Seilspringen angesagt.